Städtebau

Städtebauförderprogramm 2026: 270,63 Millionen Euro für 319 Städtebaumaßnahmen

Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen stellt in diesem Jahr rund 270,63 Millionen Euro für 319 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 283 Städten und Gemeinden Baden-Württembergs bereit.

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Bad Herrenberg

Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen stellt in diesem Jahr rund 270,63 Millionen Euro für 319 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 283 Städten und Gemeinden Baden-Württembergs bereit. Dies gab Ministerin Nicole Razavi MdL am Mittwoch (4. Februar 2026) in Stuttgart bekannt. „Wir leisten einen großen Beitrag, damit die Städte und Gemeinden ihre drängenden städtebaulichen Herausforderungen bewältigen können“, so Razavi. „Die Städtebauförderung ist unser stärkstes Pferd im Stall. Damit helfen wir den Städten und Gemeinden dabei, die Lebensqualität der Menschen weiter zu verbessern und den Wandel vor Ort zu gestalten. Das Förderspektrum ist dabei breit: Gebäude werden modernisiert, öffentliche Räume aufgewertet, grüne und blaue Infrastruktur in die Stadt gebracht und nicht zuletzt dringend benötigter Wohnraum geschaffen. Das Programm ist damit quasi ein Alleskönner in der Förderlandschaft von Bund und Land – und ein verlässlicher Partner der Kommunen seit 55 Jahren.“

Die Städtebauförderung ist unser stärkstes Pferd im Stall.
Ministerin Nicole Razavi MdL

Rund 22.800 neue Wohnungen

Allein durch die diesjährigen Bewilligungen sollen rund 22.800 neue Wohnungen in den kommenden Jahren entstehen, davon rund 4.500 in neuen Sanierungsgebieten. Weitere rund 9.700 Wohnungen sollen umfassend modernisiert werden, davon rund 2.400 in neuen Sanierungsgebieten. 

Neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum stehen die Stärkung der Ortskerne, die Aktivierung von Gewerbebrachen und Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Fokus. „Ein lebendiges und lebenswertes Umfeld für die Menschen ist uns ganz wichtig“, erklärte Ministerin Razavi. Dazu zählen auch Orte des Zusammenkommens für Groß und Klein, Grünanlagen, Kindergärten, Jugendhäuser und Nahversorgung. 

In diesem Jahr werden 319 städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen in 283 Kommunen unterstützt. Darunter befinden sich 57 neue Maßnahmen und 262 bereits bestehende Sanierungsgebiete, für die weitere Mittel bewilligt werden. Das Programm ist weiterhin mehrfach überzeichnet. Das Fördervolumen für die berücksichtigten Maßnahmen beträgt insgesamt 270,63 Millionen Euro, davon stammen rund 104 Millionen Euro vom Bund.

Das sind die geförderten Maßnahmen:

Programmliste der städtebaulichen Erneuerung 2026, sortiert nach Stadt- und Landkreisen (städtebauliches Erneuerungsgebiet, Inhalte der Förderung und Förderbetrag)

Gesamtbetrag: 270.630.000 Euro

Schlaglichter aus dem Städtebauförderprogramm 2026:

Wohnraumschaffung

Ein wichtiger Förderschwerpunkt liegt darin, Wohnraum zu erhalten und zu schaffen, indem bestehende Wohnungen modernisiert, leerstehende Immobilien umgenutzt sowie Flächen aktiviert und so vorbereitet werden, dass dort nachverdichtet oder neu gebaut werden kann. Diese Möglichkeiten werden von den Kommunen genutzt. „Der Bedarf nach Wohnraum ist groß. Deshalb ist es wichtig, dass die Kommunen ihren Wohnungsbestand aktiv erweitern“, so Ministerin Razavi.

So beabsichtigt zum Beispiel die Gemeinde Dornstadt im künftigen Sanierungsgebiet „Dornstadter Höfe“ durch die Entwicklung eines „lost place“ die Schaffung von mehr als 800 neuen Wohnungen.

Die Stadt Ulm möchte in der Maßnahme „Dichterviertel II“ in den kommenden Jahren 440 Wohneinheiten neu schaffen und 225 modernisieren. Sie verfolgt zudem einen ehrgeizigen Plan zur Weiterentwicklung von großflächigen attraktiven Wohngebieten durch Nachverdichtung und Erneuerung. 

Aufwertung von Stadt- und Ortskernen

Die Innenstädte und Ortskerne sind das Herz der Kommunen. Die Städtebauförderung unterstützt die Städte und Gemeinden maßgeblich dabei, sie attraktiv und lebendig zu gestalten. Zum Beispiel wird mit Hilfe der Städtebauförderung in Sindelfingen im Sanierungsgebiet „Marktplatz und Post- / Volksbank-Areal“ auf dem freigelegten Areal ein zentral gelegenes Stadtquartier entstehen. Die Stadt Karlsruhe wertet mit dem Sanierungsgebiet „Innenstadt Ost“ wesentliche Innenstadtbereiche auf. So stehen unter anderem die Neuordnung des Postgiro-Areals und der Umbau des Markgräflichen Palais sowie des Carl-Schöpf-Hauses auf der Agenda. Mit der Jubez-Generalsanierung wurde begonnen und die Aufwertung der Kaiserstraße ist ein wichtiges Ziel im Sanierungsgebiet. 

Die Gemeinde Erolzheim wird die Aufwertung des öffentlichen Raums im Zuge der Sanierungsmaßnahme „Ortskern III“ in Angriff nehmen. Dabei werden Marktplatz und Bürgerpark ein neues Gesicht erhalten und das denkmalgeschützte Rathaus soll ebenfalls modernisiert und erweitert werden.

Die Stadt Konstanz hat im Sanierungsgebiet „Stadelhofen“ die Stärkung des Bezirks als zeitgemäßen Wohn- und Besuchsort zum Ziel. Hierbei soll auch der Bodanplatz zum identitätsstiftenden, urbanen Stadtplatz weiterentwickelt werden. Wie diese „Innenstadt von morgen“ aussehen könnte wurde zunächst mit der temporären Sofortmaßnahme „Sommerort Bodanplatz“ erlebbar, bei der Sitzgelegenheiten und Bäume die Aufenthaltsqualität steigerten.

Die Gemeinde Weissach im Kreis Böblingen wird im Rahmen der Erneuerungsmaßnahme „Ortsmitte“ den Ortskern durch die Umnutzung des ehemaligen Volksbankgebäudes in ein Bürgerzentrum mit sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Angeboten stärken.

Im Sanierungsgebiet „Entlang der Eschach“ in der Stadt Leutkirch im Allgäu erfolgt die Weiterentwicklung der Innenstadt, Schaffung von Wohnraum, Stärkung der Verbindung zwischen historischem Stadtkern und Bahnhofsarkaden.

Durch die Umgestaltung des Taubertorplatzes sowie der Modernisierung des Romschlössle-Gartens in der Stadt Creglingen im Sanierungsgebiet „Tauber/Stadtkern“ soll sich die Attraktivität der Stadt erhöhen.

Alle Generationen im Blick

Die Städtebauförderung leistet einen großen Beitrag, dass Städte und Gemeinden für alle Bevölkerungsgruppen lebenswert und anpassungsfähig sein können. Ausreichend Angebote für Jung und Alt machen eine Kommune erst zu einem schönen Ort für alle und stärken das Zusammenleben. Auch deshalb plant die Gemeinde Auggen im Zuge der Erneuerungsmaßnahme „Ortsmitte III / Bahnhofsumfeld“ Begegnungsflächen zu schaffen. Das denkmalgeschützte Tanzhäusle soll zu einer multifunktionalen Einrichtung für kulturelle Veranstaltungen mit Ausschank weiterentwickelt werden, der Spielplatz im ehemaligen Pfarrgarten künftig zur generationenübergreifenden Nutzung einladen und das Martin-Luther-Haus als Kultur- und Begegnungszentrum modernisiert werden.

Die Gemeinde Kirchheim am Neckar möchte im Sanierungsgebiet „Ortskern III“ das ehemalige Cronimet-Verwaltungsgebäude zu einem Jugend-, Familien- und Vereinszentrum umnutzen.

Durch Modernisierung und Umnutzung der Scheune und des Laubengangs des ehemaligen Gasthofs Krone soll in der Gemeinde Löchgau im Rahmen der Erneuerungsmaßnahme „Ortskern IV“ eine Begegnungsstätte entstehen.

Nachdem die Gemeinde Merdingen den Spielplatz für alle Generationen im Sanierungsgebiet „Ortskern“ erfolgreich umgesetzt hat, nimmt sie nun die Sanierung eines Gebäudes zum Haus der Vereine in den Blick.

Klimaverträgliche Stadtentwicklung

Ein Schwerpunkt des Förderprogramms ist die Anpassung der Kommunen an die Folgen des Klimawandels. So werden die Kommunen in der Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz des Klimas wie der energetischen Sanierung von Altbauten, der Reduzierung von Lärm und Abgasen und der Aktivierung der Naturkreisläufe in den festgelegten Gebieten unterstützt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Verbesserung der grünen und blauen Infrastruktur und des Wohnumfeldes durch die Schaffung und den Erhalt von multifunktionalen Grün- und Freiflächen sowie die Unterstützung des Holzbaus. 

Nach umfassenden Vorarbeiten setzt die Gemeinde Mauer nun ihre städtebaulichen Sanierungsziele im Rahmen der Maßnahme „Ortskern II“ um. Ein wesentlicher Bestandteil sind Klimaschutz-, Klimaanpassungs- und ökologische Maßnahmen. Die Gemeinde beabsichtigt insbesondere, Grünflächen als „Kühlinsel“ zu erhalten, das Wärmenetzeinzugsgebiet im Ortskern zu prüfen, den öffentlichen Raum zu begrünen und Bäume zu pflanzen, die Kartierung von Kühlräumen und die umweltgerechte Mobilität in den Blick zu nehmen sowie die Gebäudesubstanz im gesamten Gebiet energetisch aufzuwerten. Hohe Priorität hat die energetische Sanierung der Gebäude des Bildungs- und Betreuungszentrums.

Die Gemeinde Volkertshausen verfolgt mit der Neumaßnahme „Ortsmitte Volkertshausen“ eine klimaresiliente Gemeindeentwicklung durch Umgestaltung des Grünraums Espen, Teilrenaturierung des Aachkanals, verstärkte Innenentwicklung und Stärkung der nachhaltigen Mobilität. 

Die Gemeinde Angelbachtal trägt mit den beabsichtigten Klimamaßnahmen im Sanierungsgebiet „Ortsmitte II“ ihrer besonderen Struktur Rechnung, indem in den bestehenden Hofstrukturen das Mikroklima verbessert werden soll. Zudem möchte sie die Kapazitäten zur Wasserspeicherung ausbauen, erhaltenswerte Grünräume sichern und die energetische Sanierung von privaten Bestandsgebäuden unterstützten. Ein Großprojekt im Bestandserhalt ist die Sanierung des Wasserschlosses Eichtersheim.

Neues Leben für verwaiste Gewerbeflächen

Ein bedeutender Bestandteil der Städtebauförderung ist die Entwicklung von Gewerbebrachen. Es gilt für die Kommunen, das Potential dieser Flächen zu erkennen und passende Konzepte zu erarbeiten. So möchte die Stadt Calw im Sanierungsgebiet „Hoher Fels“ durch die Neugestaltung und Umnutzung des ehemaligen Krankenhausareals ein attraktives und zukunftsfähiges Stadtquartier mit hoher Lebensqualität schaffen.

Die Gemeinde Gingen an der Fils wird im Zuge der Umsetzung des Sanierungsgebiets „Buchsteiner-Areal“ eine große Brachfläche der Wohnbebauung zuführen.

Auch die Gemeinde Oberriexingen wird mit der Aktivierung der Brache des ehemaligen Gewerbeareals „Intek“ ein Großprojekt in Angriff nehmen.

Im Sanierungsgebiet „Ortsmitte“ in der Gemeinde Burgrieden werden Flächen auf einem ehemaligen Fabrikgelände neugeordnet und aktiviert.

Denkmalschutz: Bewahrung von historischen Schätzen

Ein großes Anliegen des Landes ist ein sorgfältiger Denkmalschutz für historische und ortsbildprägende Gebäude. In vielen Kommunen ist es bereits gelungen, solche schmucken Häuser einer neuen Bestimmung zuzuführen. Beispielsweise verwandeln sich alte Gasthäuser in moderne Gemeinschaftshäuser. 

Die denkmalgeschützte Anlage „Malteserschloss“ wird mit der Erneuerungsmaßnahme „Bereich Malteserschloss“ in Heitersheim ganzheitlich in den Blick genommen. Durch umfassende Sanierungen entstehen in den Bestandsgebäuden eine Kindertagesstätte, Räumlichkeiten zur Büronutzung und für betreutes inklusives Wohnen, eine Tagespflege und Wohnraum. 

Die Stadt Philippsburg plant, das denkmalgeschützte Gebäude „Haus Reginesheim“ nach Ertüchtigung künftig als Vereinshaus und Jugendzentrum zu nutzen. Das Kulturdenkmal ist ein Zeitzeugnis der Tabakindustrie in der Region.

Das Kulturdenkmal Schloss in der Stadt Pfullingen ist Gegenstand der Sanierungsmaßnahme „Westliche Innenstadt“. Durch die umfassende Modernisierung wird eine Nutzung durch die Musikschule dauerhaft gesichert.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd setzt die Modernisierung des historisch bedeutsamen Gebäudes „Prediger“ im Rahmen der Sanierungsmaßnahme „Altstadtquartiere“ fort, um es für die Nachwelt und zukunftsgerecht zu erhalten.

Die Stadt Singen (Hohentwiel) modernisiert und bewahrt im Rahmen der Umsetzung des Gebiets „Scheffelareal“ künftig auch das denkmalgeschützte Singener Schloss als Gemeinbedarfseinrichtung. Auch der angrenzende Schlosspark wird denkmalgerecht belebt.

Städtebauförderung als regionaler Wirtschaftsmotor

„Jeder eingesetzte Fördereuro löst durchschnittlich acht Euro an öffentlichen und privaten Folgeinvestitionen aus“, erklärt Ministerin Razavi MdL: „Die Städtebauförderung ist damit auch ein unverzichtbarer Motor für die Wirtschaft und das Gewerbe vor Ort“. Vor allem profitiere das regionale Baugewerbe und Handwerk. Mit der Bewilligung von Finanzhilfen über Zeiträume von in der Regel acht bis zwölf Jahren bietet die Städtebauförderung als einziges Programm den Kommunen dabei langfristige Planungssicherheit auch in schwierigen Zeiten.

Hintergrund zur Städtebauförderung

Seit 1971 ist die Städtebauförderung als gemeinschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen ein erfolgreiches Instrument der städtischen Erneuerung. Sie unterstützt die Kommunen dabei, ihre Städte an wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Veränderungen anzupassen. So werden zum Beispiel die Errichtung von Kindergärten und Spielplätzen, die Schaffung von Grünanlagen sowie barrierearmen Zugängen oder die Sanierung auf den aktuellen Stand der Technik gefördert. Mit Hilfe der Städtebauförderung konnten in Baden-Württemberg bereits mehr als 900 Kommunen in über 3.400 Sanierungs- und Entwicklungsgebieten ihre städtebauliche Entwicklung voranbringen, Missstände beseitigen und Orte der Begegnung schaffen. Über 9 Milliarden Euro Bundes- und Landesfinanzhilfen wurden den Kommunen dafür in den vergangenen Jahrzehnten zur Verfügung gestellt.

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