Die Vorhaben reichen vom flächensparenden Neubau über vereinfachtes Sanieren und Aufstocken bis zu praxisnahen Untersuchungen für einen wirtschaftlicheren Holzbau.
„Clever Bauen BW hat viele gute Ideen hervorgebracht, wie man mit kluger Planung die Bau- und Betriebskosten senken kann. Diesen Ideen wollen wir den Boden bereiten, damit sie Früchte tragen“, sagt die Bauministerin Theresa Schopper: „Die ausgewählten Projekte bringen die neuen Ansätze des einfachen Bauens aus der Theorie in die Praxis. Wir testen, was sich im Alltag bewährt, und schaffen praktische Grundlagen, von denen auch künftige Bauvorhaben profitieren. Die Erkenntnisse aus Clever Bauen BW werden auch in die Entwicklung unseres BW-Standards einfließen.“
Der Förderaufruf „Clever Bauen BW“ wurde im Rahmen des Strategiedialogs Bezahlbares Wohnen und Innovatives Bauen (SDB) des Landes entwickelt. Insgesamt 52 Bewerbungen sind in den zwei Einreichungsrunden von Dezember 2025 bis August 2026 eingegangen. Eine interdisziplinäre Fachjury hat zusammen mit der SDB-Geschäftsstelle die Projekte bewertet und zehn Vorhaben zur Förderung vorgeschlagen. Maßgeblich waren dabei der innovative Umgang mit Standards, der erwartete Erkenntnisgewinn, die Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit sowie die Übertragbarkeit auf weitere Vorhaben. Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen begrüßt die Empfehlung des Gremiums und hat die zehn Vorhaben als förderfähig eingestuft.
Die sechs Umsetzungsprojekte:
- Studierendenwohnen Pfaffengrund in Heidelberg: Das Vorhaben der New Life Residential gGmbH verbindet bezahlbares Studi- und Azubiwohnen mit einfachen Bauweisen und niedrigen Betriebskosten. In 27 Wohnungen sollen Vorfertigung, Gemeinschaftsflächen und passive Hitzeschutzmaßnahmen Kosten und Ressourcenverbrauch senken.
- Viktor-Renner-Straße in Tübingen: Das Vorhaben ermöglicht einen direkten Vergleich unterschiedlicher Sanierungsstandards. An vergleichbaren Bestandsgebäuden sollen konventionelle Lösungen und vereinfachte Ansätze nach dem Gebäudetyp-E-Prinzip hinsichtlich ihrer Kosten- und Qualitätswirkungen untersucht werden.
- Palais Paradeiser in Freiburg: Das Projekt verbindet flächensparende Grundrisse mit einfachen Konstruktionen und reduzierter Gebäudetechnik. Ein geplantes Vertrags- und Dokumentationspaket soll den Umgang mit angepassten Standards nachvollziehbar machen und die Übertragung auf weitere Bauvorhaben erleichtern.
- Metamorphose Quartierchen in Rheinfelden: Das Vorhaben verknüpft Bestandserhalt, Bauteilwiederverwendung und vereinfachten Ausbau. Bestehende Gebäudestrukturen, wiederverwendete Fenster und Stahltreppen sowie gemeinschaftliche Nutzungen sollen ressourcenschonendes Wohnen ermöglichen und übertragbare Erfahrungen liefern.
- LifeLab in Freiburg: Der geplante fünfgeschossige Holz-Stroh-Lehmbau verbindet flächensparendes Wohnen mit gemeinschaftlich genutzten Laubengängen, vorgefertigten Bauteilen und standardisierten Badmodulen. Natürliche Querlüftung und vereinfachte Bauteilaufbauten sollen den technischen und materiellen Aufwand reduzieren.
- Suffizient Bauen in Ludwigsburg: Das Vorhaben erprobt einen umfassenden Ansatz für flächen- und materialsparendes Bauen. Kompakte Baukörper, ein optimiertes Holztragwerk und vorgefertigte Sanitärzellen sollen zeigen, wie sich bauliche Vereinfachungen im Wohnungsbau umsetzen lassen.
Die vier Machbarkeitsstudien:
- Vier Häuser in Tübingen: Die Machbarkeitsstudie der Wohnprojekt Vier-Häuser GmbH überzeugt durch ihren übertragbaren Ansatz zur Aufstockung eines Wohnhauses aus den 1950er-Jahren. Leichte Holzkonstruktionen und einfache Gebäudetechnik sollen zusätzlichen, bezahlbaren Wohnraum ermöglichen. Die Erkenntnisse sollen auf drei baugleiche Nachbargebäude übertragen werden.
- rouf – Sanieren durch Wohnraum in Tübingen und Ulm: Das Vorhaben von Robi Wache Architekten GmbH verbindet neue Wohnungen durch modulare Holzaufstockungen mit einer sozialverträglichen Bestandssanierung. Standardisierung und Vorfertigung sollen die Umsetzung vereinfachen.
- RE N20 in Neckargemünd: Zur Förderung vorgesehen ist die wissenschaftliche Begleitung der Sanierung eines denkmalgeschützten kommunalen Wohngebäudes. Die Anwendung des Sanierungsbaukastens „Re“ soll Erkenntnisse liefern, die ressourcenschonende Lösungen für weitere kommunale Bestände nutzbar machen.
- Holz.Wert: Die Studie vergleicht bereits realisierte Hoffnungshäuser anhand von Kosten- und Betriebsdaten, Messungen und Bewohnerbefragungen. Ziel sind wirtschaftlich angemessene Schallschutz- und Energielösungen. Die gemeinsam mit der Universität Stuttgart gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Planung eines Hoffnungshauses im Großraum Freiburg einfließen.
Im nächsten Schritt, dem dialogischen Bewilligungsverfahren, werden mit den Projektträgern Gespräche geführt und die Anträge konkretisiert. Sobald die mögliche Förderhöhe feststeht, können die Projektträger passgenau ihren Förderantrag stellen. Die Umsetzungsprojekte werden mit bis zu 300 Euro je Quadratmeter förderfähiger Wohnfläche unterstützt, ihre wissenschaftliche Begleitung zusätzlich mit 100 Prozent der zuwendungsfähigen Begleitkosten (maximal 100.000 Euro). Die Machbarkeitsstudien werden mit bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten (maximal 50.000 Euro je Antrag) gefördert.

















